Mediale Verformungen_ Eindrücke eines Treffens mit Emir Hodzic

Der in Prijedor geborene Emir Hodzic emigrierte Anfang des Krieges nach Neuseeland und kehrte 2011 nach Bosnien zurück. Er versuchte zusammen mit der Nichtregierungsorganisation Izvor einen Erinnerungsort für die Opfer „ethnischer Säuberungen“ während des Krieges 1992-95 in Prijedor zu schaffen. Als der erste Versuch der Veranstaltung eines „Tag(es) des weißen Bandes“ scheiterte, setze sich Emir allein auf den Markt in Prijedor, um auf diese Weise der Opfer zu erinnern. Seit 2012 findet in Prijedor jährlich der internationale „Tag des weißen Bandes“ statt. Des Weiteren ist Emir stark in die Bebolucija und andere Proteste innerhalb Bosniens involviert.

Während unseres Zusammenseins am Sonntag Nachmittag betonte Emir die Schwierigkeiten medial wirksam Nachrichten im Zusammenhang mit den verschiedenen Protesten zu verbreiten. Differenzen zwischen intendierten Ideenverbreitungen seitens Aktivist_innen und tatsächlichen medialen Darstellungen, illustrieren den politischen Deutungskampf und auch, wie bedrohlich Protestaktionen von politischen Eliten Bosniens jeweils wahrgenommen wurden. Emir erwähnte, wie er selbst durch die Organisation des Gedenktages an die Opfer der „ethnischen Säuberungen“ von bosniakischen Nationalisten hoch angesehen wurde. Dies änderte sich jedoch, als Emir bei einem Wettessen von Schweinefleisch teilnahm, was als Übertritt auf die „serbische Seite“ zum Teil interpretiert wurde. Ein zweites Beispiel umfasst Äußerungen zu den Angriffen auf Regierungsgebäude. Der bosniakische Nationalist Izetbegovic sagte, dass es eine Agression von serbischer Seite sei. Dagegen warnte der Präsident der Republika Srpska Dodik vor den Protesten als bosniakische Aktionen, die eine Destabilisierung der Republika Srpska anstrebten (Hodzic: 54). Jeweilige nationalistische Zuweisungen, Warnungen und Projektionen von Gefahr seitens der „anderen Ethnie“ konnten medial einfach transportiert werden, was auch andere Aktivisten wie Lejla oder Darjan zuvor monierten.

Abschließend soll Emirs Äußerung zu seiner persönlichen Abwanderungsoption aus Bosnien heute Erwähnung finden. So meinte er, wenn kein empowerment, keine positive Beeinflussung von seiner Seite für die Menschen in Bosnien ausgehen könnte, würde er das Land verlassen. Allerdings habe diese Ansicht nichts mit dem spezifischen Fall Bosnien zu tun, sondern diese Einstellung vertrete er auch in Bezug auf andere Orte.

Emir Hodzic: Jer me se tice- Because it concerns me In: Unbribable Bosnia and Herzegowina. The Fight for the Commons (2014)

Ellen Höhne

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