Auf den Spuren von Modern Talking und Bruce Lee

Wir treffen uns bei München. “Wir”, das sind Anna, Leo und Nastasja, die schon etwas früher Richtung Bosnien losfahren, um auf dem Weg dahin noch ein bisschen was von Kroatien zu sehen. Palmen und Meer anschauen – muss schon sein, um im März etwas sommerliche Urlaubsgefühle aufkommen zu lassen und das lästige Grau Deutschlands abzustreifen. Auf also nach Zagreb. Im VW Golf durch vier Länder an einem Tag. Der ökologische Fußabdruck? Nicht so prickelnd! Das grüne Gewissen muss jetzt mal in den Hintergrund rücken. Mit John, Paul, Mick, Bob und Gisbert auf den Ohren geht’s los.

Zagreb erwartet uns mit Cafés en masse. Das erstaunliche ist, dass vor allem Kroaten zu jedweder Tageszeit es sich darin gemütlich machen. Unser australischer Zimmergenosse im Hostel fragt sich nicht ganz unberechtigt „How do they ever get anything done?“. Was uns von Zagreb wohl noch hängen bleiben wird: The Museum of Broken Relationships. Aha, denken wir uns und marschieren hinein. Uns erwartet eine Anzahl von Trennungsgeschichten und –gegenständen. Nun ja, Geschmackssache. Aber unbestreitbar ist es mal etwas anderes. Die Möglichkeit, sich von Schmerzhaftem zu trennen und dies in eine Ausstellung zu verwandeln, scheint durchaus eine therapeutische oder befreiende Wirkung zu haben. Erstaunlich ist jedenfalls, dass viele Geschichten auch Positives haben, selbst wenn es vielleicht nur das Gefühl ist, dass man ohne einander einfach glücklicher wird…

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Es geht weiter an der kroatischen Küste. Die ersten Palmen und Sonne: Juchuh! Durch sehr mediterran anmutende Städtchen, auf Autobahnen, Landstraßen und Huckelpisten. Der letzte Stop führt uns in den Krka National Park. Rauschende Wasserfälle und wildromatische Pfade entlang der Krka liegen vor uns. Noch sind die Touristenmassen nicht an Ort und Stelle, so dass wir ganz in Ruhe und sehr ausgiebig Fotos schießen können. Unsere Wirtin im benachbarten Losovac empfängt uns am nächsten Morgen mit Schoko-Palatschinken und süßem türkischen Kaffe. Der letzte Tag in Kroatien könnte kaum besser beginnen.

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Eine letzte Bergkette trennt uns noch von Bosnien. Anna meistert souverän die letzten Schlängelstraßen (dass sie dabei auch gerne mal Stopschilder übersieht, ist nicht weiter erwähnenswert) und schon sind wir am Grenzübergang. Raus aus der EU, rein nach Bosnien – fast… „Greencard?“, fragt der Grenzbeamte. „Verdammt!“, antworten wir. Ohne gültige Versicherung ist kein Reinkommen nach Bosnien möglich. So werden wir also zum nächst größeren Grenzübergang geschickt. Mit Händen und Füßen verständigen wir uns und es scheint, als könnten wir dort eine Autoversicherung kaufen. Bitte, bitte, bitte – ein halbstündiges Mantra unsererseits folgt. Beim nächsten Grenzübergang erleichtertes Aufatmen, denn das schnelle Geschäft mit der Autoversicherung kennt man hier und wir dürfen endlich nach Bosnien reinfahren.

Heute Abend sitzen wir bereits in Mostar, eine Stadt, deren fürchterliche Geschichte in vielen Hauswänden noch deutlich zu erkennen ist. Nach dem obligatorischen Gang über die neuaufgebaute Brücke und Fotos aus allen möglichen Blickwinkeln finden wir uns im Touri-Restaurant wieder. Die Musik, die aus der Box schallt, ist nicht ganz so retro, wie noch in Kroatien. Dort haben wir noch Modern Talking (!), Michael Jackson, und No Angels gehört, jetzt sind wir bereits bei Leona Llewis und Kelly Clarkson angelangt. Hach, da kommen Erinnerungen hoch… Nachdem wir die letzten Abende fleißig Gemüse gekocht und gebraten haben mit der Voraussicht, dass es ab Sarajevo nur noch Börek für uns geben wird, gibt’s heute bereits Schnitzel. Es besteht sogar ein großes Angebot: Wiener Schnitzel, Pariser Schnitzel, Kroatisches Schnitzel… Auf die Frage, was denn der Unterschied sei, grinst der Kellner und zuckt mit den Schultern. Lieber das Wiener Schnitzel, das kennen wir wenigstens – und ab morgen dann Börek!

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Auf dem Heimweg in unsere nette nach frischem Gebäck und Zigaretten duftende Unterkunft gehen wir schon einmal dem Thema unserer Reise (Jugend und Protest) auf den Grund. So wird jeder und jede bosnische Jugendliche noch einmal kritisch beäugt und auf sein potentielles Protestpotential gescannt. Ist unter ihnen vielleicht auch der aktive junge Mann, der Teil einer Jugendbewegung ist, die laut Wikipedia die Errichtung einer Bruce Lee Statue initiiert hat? Die Annahme war, mit der Kung-Fu-Legende könnten sich alle Ethnien des Landes gleichermaßen identifizieren. In Mostar werden wir leider nicht mehr über die Protestszene und die örtliche Jugend erfahren, aber umso gespannter sind wir nun auf den Beginn der Studienreise am Samstag!

Anna Emil und Nastasja Ilgenstein

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